Gesundheitswesen baut auf solide Versicherungen und Finanzen
Gesundheit wird in Zukunft teurer werden, alles andere wäre ein Trugschluss. So kommentierte Gesundheitsminister Philipp Rösler sinngemäß kommende Veränderungen im Gesundheitswesen . Momentan wird das zukünftige Modell der gesetzlichen Krankenversicherung kontrovers diskutiert.
Was genau soll anders werden?Die diesen Monat verabschiedete Gesundheitsreform (November 2010) wird vor allem einiges an der Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherungen verändern. Zunächst werden die Beiträge generell auf 15,5 Prozent erhöht. Ferner sollen die gesetzlichen Krankenkassen dazu ermächtigt werden, Zusatzbeiträge zu erheben. Die Zusatzbeiträge sollen einen weiteren Anstieg der eigentlichen Beiträge (über die 15,5 %-Marke) verhindern. Das heißt, dass etwaige Mehrkosten, die über die Kernbeiträge nicht ausgeglichen werden können, über entsprechend steigende Zusatzbeiträge eingetrieben werden. Die Crux an der Sache: Diese Zusatzbeiträge muss allein der Versicherte tragen! Arbeitgeber werden durch sie nicht belastetet. Dabei haben Arbeitgeber schon bei den grundsätzlichen Beiträgen von 15,5 % im Monat mit 7,3 % die kleinere Last zu tragen. Die restlichen 8,2 % entfallen auf den Versicherten. Das heißt, dass die neuen Beiträge die Arbeitnehmer anteilsmäßig stärker und die kommenden Zusatzbeiträge die Arbeitnehmer ausschließlich belasten!
Was ist davon zu halten?
Aus Sicht der Arbeitnehmer: Gar nichts! Vor allem ist es eine einzige Augenwischerei. So wird der Sinn der Zusatzbeiträge damit gerechtfertigt, dass diese einen Anstieg der grundsätzlichen Beiträge verhindern sollen. Aber wo liegt denn für Versicherte nun bitte der Unterschied, ob sie monatlich mehr zahlen müssen, weil gerade die Beiträge oder weil gerade die Zusatzbeiträge gestiegen sind? Zumal die Zusatzbeiträge nach oben unbegrenzt sind! Dadurch, dass die Versicherten die Zusatzbeiträge alleine stemmen müssen, hat man nun die Arbeitgeber geschickt aus der Affäre gezogen, da künftige Verteuerungen der GKV (die ganz sicher kommen werden) diese nun nicht mehr betreffen. So gesehen werden die “breiten Schultern“ der Topverdiener (die meist selber Arbeitgeber sind!), von denen ursprünglich mehr verlangt werden sollte, stattdessen entlastet. In die Röhre guckt indes der versicherte Arbeitnehmer. Künftige Beitragsanstiege, verkappt über die „Zusatzbeiträge“, trägt er allein. Und wenn man sich vergegenwärtigt, dass immer mehr alte Menschen und steigende Arzthonorare der GKV den Garaus machen, dann wird klar, dass die jüngste Gesundheitsreform zwar die Rechnung für das nächste Jahr ausgleicht – an den strukturellen Problemen der gesetzlichen Krankenkassen hat sich hingegen nichts geändert. Welch Wunder, dass da immer mehr Menschen dieses sinkende Schiff verlassen und ihr Heil in der privaten Krankenversicherung suchen ….. wenn sie ihnen überhaupt offensteht.
